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Göteborg

13. April 2010

Göteborggruppe im Nordwald

Das Expeditionsteam

Spontanausflüge sind klasse. Manchmal kommt irgendwer hier auf die Idee, einfach mal irgendwohin zu fahren. Dann wird sofort ein Fortbewegungsmittel gebucht und spätestens eine Woche später sind wir auf dem Weg.

Ich schließe mich einer Gruppe an, die sich als Ziel Göteborg, die zweitgrößte Stadt Schwedens, ausgesucht hat. Wir nehmen den Bus (den wir wie immer noch ganz knapp erreichen) und fahren 5 Stunden durch schwedische Küstenlandschaft, weit über die Schneegrenze hinaus.

Die erste Etappe geht wieder über die große Hängebrücke, allerdings kann man heute noch nicht einmal das Meer erkennen, weil es einfach viel zu neblig ist. Auf der anderen Seite werden wir dann an der Zollstation rausgewunken. Polizeikontrolle. Zwei Zollbeamte in quietschgelben Warnwesten steigen in den Bus und setzen ernste Blicke auf. Die beiden müssen eindeutig zu viele Krimiserien geguckt haben. Wie Tatort-Kommissare starren sie durchdringend in die Runde, jeder der Reisenden ist potenziell verdächtig. Sie bewegen sich in Zeitlupe schleichend durch den Bus, dabei fixieren sie immer einen Passagier, als bestehe gerade akute Fluchtgefahr.

Wie aus dem Nichts spricht mich plötzlich einer der Beiden an: „Dansk? Svensk?“ Er spricht dabei in diesem Tonfall, den einfach nur Fernsehpolizisten draufhaben und hier wohl gerade cool wirken soll. Er schafft es damit wenigstens, mich unsicher zu machen. „English?“, frage ich. Er starrt mich an. Ich schiebe ein fast entschuldigendes „Eller dansk…“ hinterher und der Kerl beginnt das Verhör. In irgendeiner Mischung aus Dänisch und Schwedisch fragt er mich, wo wir hinwollen, wie lange wir bleiben, wie viele wir sind, was wir da anstellen. Ich muss ein paar mal nachfragen und verstehe ein paar Wörter, mit denen ich mir den Sinn seiner Fragen zusammenreimen kann. Er zeigt keine Regung, ist aber anscheinend zufrieden mit meiner Auskunft. Er wendet sich der Reisegruppe mit der dunkleren Hautfarbe neben uns zu, die er nicht nur ausfragt, sondern auch ihre Pässe und Aufenthaltsgenehmigungen herausholen lässt.

Göteborg empfängt uns mit Sonnenschein und einer hübschen Innenstadt, durch die wir erstmal einen Weg finden müssen. Der Hunger treibt uns in ein kleines Lokal, das tatsächlich ziemlich schwedisch aussieht. Holzverkleidete Wände und ein Mittagsmenü aus Köttbullar und Knäckebrot. Jetzt muss nur noch ein Quartier gefunden werden. Wir nehmen eine der blauen, klapprigen Straßenbahnen, die hier überall herumfahren, und machen uns auf den Weg in den Westen der Innenstadt. Dort liegt neben einer Kirche eine kleine Jugendherberge, in der wir erstmal unsere Sachen abladen.

Die Band Skilla aus Malmö

Girlie-Indie-Träumer-Rockmusik

Den Abend verbringen wir ganz größstädtisch auf einer Modenschau in einer gemütlichen, werkstattähnlichen Halle. Viele Studenten sind da und es spielt eine rein weibliche Indie-Band aus Malmö. In der Pause legt eine DJane auf und ich beobachte ein eigenartiges Phänomen: Die gesamte Raumbevölkerung sitzt oder steht herum und unterhält sich, die Bewegung besteht maximal daraus, zur Bar zu gehen und sich ein weiteres Bier zu geben. Bis eben Ludovic und Moritz den Platz entern und mitten in der Menge einfach anfangen zu tanzen. Erst alleine, dann gesellen sich nach und nach mehr Leute dazu, bis es am Ende schon fast eine Disko sein könnte. Nachdem die Band fertig ist und schon das Licht zum Aufräumen angemacht wird, machen sich die Anderen weiter auf den Weg in die Nacht, während ich in Richtung Herberge gehe, weil mir meine verschleppte Erkältung schon wieder zu schaffen macht.

Aussichtspunkt im Norden

Über den Dächern Göteborgs

Der nächste Tag wird komplett der Stadterkundung gewidmet. Wir schauen sie uns von oben an – wir klettern auf mindestens 5 verschiedene Aussichtspunkte und durchlaufen die Stadt einmal von Norden nach Süden. Es wird auch hier langsam Frühling, aber ein paar Schneeflecken sind noch da. Der Winter hat seine Spuren hinterlassen, die Straßen sind relativ dreckig und die Pflanze sind noch nicht aus ihrem Schlaf aufgewacht. Ziemlich windig ist es, was wir vor allem im Hafen bemerken. Über die offenen Lagerflächen bläst es ziemlich, während wir ein paar Läufer bei einem Langlaufrennen beobachten.

Göteborg hat im Zentrum wunderschöne Häuserzeilen, ein paar schmucke Kirchen und auch ein bisschen was Grünes mit den alten Wallanlagen. Dazwischen scheppern immer mal wieder die Straßenbahnen hindurch. Man fühlt sich ins vorige Jahrhundert zurückversetzt.

Was man von oben allerdings besonders gut beobachten kann: Dieser Stil setzt sich nicht nach außen fort. Man muss so ca. 10 Minuten vom Stadtzentrum in eine Richtung laufen und man landet in einem tristen Reihenhausviertel. Und davon gibt es reichlich in Göteborg. Es ist halt eine Arbeiterstadt, die von den Werften und den Industriefabriken gelebt hat und es teilweise heute noch tut. Der Hafen nimmt eine Menge Raum ein, es gibt viele kleine Ecken, die schon bessere Tage gesehen haben.

Gen Abend treffen wir am letzten Aussichtspunkt auf Christian, einen Studenten, der in Kopenhagen im Café Retro gearbeitet hat und den Anderen am vorigen Abend über den Weg gelaufen ist. Als Retro-Freiwilliger könnte man potenziell in fast jeder Stadt der Welt übernachten, weil man dort Leute kennt. Gut also, dass unsere Gruppe zur Hälfte aus „Retros“ besteht und Christian uns zu sich nach Hause einlädt. Den Weg dorthin nehmen wir durch einen großen Park, von denen es am Stadtrand Göteborgs auch eine Menge gibt. Hier sind sogar einige Tiergehege mit Rehen, Hirschen, Elchen und Seehunden.

Die Studenten, bei denen wir unterkommen, haben sich ein gemütliches Holzhaus gemietet und wohnen dort mit ungefähr 10 Leuten unter einem Dach. Wir sitzen dort lange in der Küche und reden unendlich viel über Schweden, die ganze Welt, Land, Leute, Gewohnheiten, Natur und was weiß ich noch alles. Ein wunderschöner Abend.

Am Tag der Abreise durchqueren wir noch einmal die Stadt und finden noch eben zufällig den nach einhelliger Meinung allerbesten Schokoladenkuchen der Welt im Café gegenüber der Domkirche. Und ich finde in einem riesigen Second-Hand-Shop eine Menge Klamotten, die mir passen. Von denen nehme ich schließlich alle querstreifigen mit.

So verlassen wir die Stadt und die Landschaft zieht wieder an meinem Fenster vorbei.

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